VOLKSTHEATER - JEDEN TAG THEATER

Rozznjogd 04

Rozznjogd

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Rozznjogd

Spielstätte: Schwarzer Salon

von Peter Turrini
Ehmann/Raunjak
Premiere: 12. Dezember 2014 

Spielstätte: Schwarzer Salon

Das erste Rendezvous – doch anstatt in ein schickes Restaurant oder ins Kino zu gehen, bringt ER, ein junger Durchschnittstyp, SIE, auch keine Ausnahmeerscheinung, auf eine Müllhalde. Denn satt hat er diese ritualisierten Dating-Vorgänge, bei denen man sich eigentlich „eh nur etwas vormacht“ – wenn schon, will ER SIE richtig kennenlernen. Im Zuge gegenseitiger Annäherung beginnt ein schonungsloser Körper- und Seelen- Striptease: Beide befreien sich von ihren Verkleidungen. Doch ohne die Masken der Gesellschaft wird die Nacktheit zur Überlebensfrage. Nun sind sie wie Ratten, auf die ER schießt – Zivilisationsmüll.

Peters Turrinis Einakter von 1967, der 1971 am Volkstheater uraufgeführt wurde, hat nichts von seiner Kraft und Aktualität eingebüßt. Eine Wohlstandsgesellschaft, die sich nur über Konsum definiert; ein System, das durch seine Ge- und Verbote terrorisiert; Menschen, die sich auszudrücken versuchen und dazu doch gar nicht fähig sind; Gefühle, die vereist sind; Nähe, die nicht möglich ist. Turrini stellt die Frage nach Authentizität, danach, was den Menschen ausmacht. Die Antwort, die das Stück gibt, ist beunruhigend: Wenn der Mensch meint, frei zu sein und alle Konventionen abstreift, unterscheidet er sich in den Augen der Gesellschaft nicht mehr von dem Müll, den man schnellstmöglich entsorgt.

Philipp Ehmann, Jahrgang 1987, studierte Regie an der University of Exeter in England; seine Arbeiten waren insgesamt in 7 Ländern u.a. am Exeter Fringe Festival, beim Playpublik Festival in Berlin oder am Volkstheater- Hundsturm (Gegenmittel von Nicoleta Esinencu) zu sehen. Zudem leitet er Österreichs erstes Festival für Spiele im öffentlichen Raum Play:Vienna und arbeitet als immersive Theatre Director und Game-Designer für die Street Game Conspiracy. Philipp Ehmann wird einen frischen Blick auf diesen Klassiker der österreichischen Moderne werfen. 

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  • Regie und Ausstattung

    Regie: Philipp Ehmann
    Bühne und Kostüme: Tamara Raunjak
    Dramaturgie: Elisabeth Geyer

  • Besetzung

    mit Daniela Golpashin und Jan Hutter

  • Pressestimmen

    „Turrinis "Rozznjogd" berührt immer noch. Ein ungestümer, authentischer Abend im Volkstheater.
    Damals war es ein Skandal. 1971 wurde Peter Turrinis erstes Stück "Rozznjogd" im Volkstheater uraufgeführt. Die Geschichte zweier jungen Menschen, die sich auf einer Müllhalde näher kommen, in dem sie sich ihrer Habseligkeiten und damit jeglichen Zivilisationsmülls entledigen, empörte und machte Turrini schlagartig bekannt. 43 Jahre später ist es nicht mehr so einfach, einen Theaterskandal hervorzurufen. Nacktheit, derbe Sprache und schon gar nicht Konsumkritik eignen sich dazu. Doch die nun im Schwarzen Salon des Volkstheaters gezeigte Inszenierung des mittlerweile zum Theaterklassiker gewordenen Einakters macht deutlich: Die "Rozznjogd" lebt. Unter der Regie von Philipp Ehmann machen "Er" (Jan Hutter) und "Sie" (Daniela Golpashin) glaubwürdig Seelen-Striptease – auf einem mit Verpackungsmaterial angedeuteten Müllhaufen (Bühne: Tamara Raunjak). Bei jedem Schritt zerplatzen die Bläschen der Plastikplanen hörbar, was zunächst so irritiert wie der künstliche Dialekt, der aus der Zeit gefallen scheint. Denn die Zeitlosigkeit des Stücks zeigt sich in der Nähe, die sich entwickelt und als aufwühlender, intensiver Abend endet: Die "Rozznjogd" berührt hier mit ungestümer, jugendlicher Authentizität.“ (Kurier)

    „Die Uraufführung von Peter Turrinis „Rozznjogd“ muss damals, 1971, einem Kometeneinschlag geglichen haben. Zwei Stiefkinder der Wohlstandsgesellschaft begegnen einander auf einer von Ratten bewohnten Müllhalde: so weit, so romantisch. "Er" und "Sie" fühlen sich einigermaßen unbehaglich. Die beiden Vereinsamten verspüren am eigenen Leib das, was man früher, in marxistisch wohlinformierten Kreisen, einen "Verblendungszusammenhang" nannte. Turrinis Figuren wollen den Schein vom Sein trennen. Im Schwarzen Salon des Wiener Volkstheaters haben sie sich rechtzeitig zu Turrrnis 70-Jahr-Feiern frisch gekräftigt und noch einmal verjüngt. "Er" (Jan Hutter) würde in seiner anachronistischen Lederjacke überall Eindruck schinden. "Sie" (Daniela Golpashin) verströmt unter ihrer Perücke, mit ihrem rührenden Lackledertäschchen eine fiebrige Unruhe. Aus dem Rendezvous entsteht ein revolutionärer Akt. Entschlossen wirft das junge Paar alle Konsumgüter von sich. Es betritt reinen Herzens und mit entblößten Körpern einen wunderbaren neuen Garten Eden. (In Wirklichkeit werden die Armen bloß totgeschossen.) Es muss eine herrliche Zeit gewesen sein, als man noch vom "Menschen an sich" träumen durfte, ohne dabei rot zu werden. Philipp Ehmanns Regie winkt das Paar tadellos durch Turrinis wilde Ballade hindurch. Die heimliche Hauptfigur dieser sehenswerten Aufführung hat jedoch Ausstatterin Tamara Raunjak beigesteuert. Die bleigraue Bühne ist zur Gänze in Noppenfolie eingeschlagen. Jeder Tritt erzeugt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein keckes "Puff". Turrinis Stück wird noch dann als Anschauungsmaterial für den historischen Protest dienen können, wenn die letzte Noppe zerplatzt ist.“ (Der Standard)

    „Der "Schwarze Salon" unter Dach ist mit Luftpolsterfolie ausgelegt. Jeder Tritt auf eine Noppe ein Kracher. 1971 brachte dem Dichter die "Rozznjogd", mit Dolores Schmidinger und Franz Morak splitternackt, auf der großen Volkstheater-Bühne den ersten Ruhm. Zwar gab Peter Turrini Motive des Amerikaners Willard Manus als eine Quelle an, doch der Sprachfuror gegen den Konsumfetischismus in den endenden Wirtschaftswunderjahren war, trotz des wienerischen Kunstdialekts, sein ureigener. In der "Rozznjogd" führt ein junger Automechaniker ein aufgedonnertes Vorstadtgirl in finsterer Nacht auf einen Müllplatz, wo er die Nager vor seine Pumpgun bekommt. Aus den toten Posen der einander Fremden erwächst Neugier, aus plötzlicher Übertreibungslust Ekstase. Zuletzt haben die beiden alles "Falsche", das dem "Richtigen" im Leben zuwidersteht, von sich geworfen, zerstört: Kunsthaar, Zahnprothese, Ohrringe, BH-Pölster, Kosmetika, Geld. Die Welt: ein Müllberg. Die Weltverweigerer: nackt. Erst nach diesem Reinigungsritual im ärgsten Schmutz bekäme die wahre, die wahnhafte, die romantische Liebe ihre Chance. Zu spät. Weiter als zum Fragesatz "Wi hasdn du eigentlich" darf die Sprache der Liebe nicht gedeihen. Das Paar wird von anderen Rattenjägern totgeschossen. Ein Versehen, kein Mord. Philipp Ehmann führt als Regisseur in nachgerade wissenschaftlicher Distanz die einnehmend jungen Stimmen und Körper von Jan Hutter und Daniela Golpashin über Tamara Raunjaks Minenboden. Der wienerische Kunstdialekt gut getroffen. Sorgsam, zärtlich, keusch sogar im finalen Berührungsrausch. Und kühl. Warmherziger Beifall, auch vom Dichter.“ (Wiener Zeitung)
     

  • Fotos
    • Rozznjogd 01 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 02 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 03 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 04 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 05 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 06 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 07 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 08 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 09 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 10 © Marko Lipuš
    • Rozznjogd 11 © Marko Lipuš

  • Video
    Volkstheater Wien Schwarzer Salon - Rozznjogd

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