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Gift. Eine Ehegeschichte 01

Gift. Eine Ehegeschichte

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Gift. Eine Ehegeschichte

Spielstätte: Haupthaus

(Gif)
von Lot Vekemans
Deutsch von Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach
Schottenberg/Kudlich/Navas
Premiere: 23. Jänner 2015 

Spielstätte: Haupthaus

Ein Mann und eine Frau. Eine gemeinsame Vergangenheit, ein gemeinsamer Verlust, danach Trennung, Schweigen. Nach über zehn Jahren, in denen sie jeden Kontakt vermieden haben, steht sich das Paar auf dem Friedhof zum ersten Mal wieder gegenüber. Das Grab des gemeinsamen Sohnes soll verlegt werden, offenbar wurden im Boden giftige Substanzen gefunden. Allerdings ist nirgendwo jemand von der Friedhofsverwaltung zu sehen.

Die Bewältigungsstrategien der beiden könnten nicht unterschiedlicher
sein: Während er nach dem Tod des Kindes das Land verlassen und sich in Frankreich ein neues Leben aufgebaut hat, ist sie in ihrem gemeinsamen Haus wohnen geblieben und sieht sich außer Stande, diesen Schicksalsschlag überwinden zu können. Er, ein Journalist, hat den Verlust akzeptiert, möchte seine Geschichte „in Buchform zuklappen und wegstellen“. Sie will und kann nicht loslassen und kämpft doch, steckengeblieben in ihrem Schmerz, um so etwas wie Normalität.

Gift. Eine Ehegeschichte ist ein kostbarer Dialog zweier Menschen, die ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander. Zwischen Abrechnung und Annäherung, Trost und Trauer, Zärtlichkeit und Härte oszillieren die Szenen dieser Wiederbegegnung. Dabei blitzen selbst in der tiefsten Tragik auch komische Momente auf – wie im Leben selbst. Die niederländische Autorin Lot Vekemans schreibt seit 1995 Stücke, die nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch an vielen Theatern im deutschsprachigen Raum gespielt werden. Ende 2004 gründete sie ihre eigene Theatergruppe „M.A.M.“ (Mehrere Antworten Möglich). Für ihren klugen, intensiven Text Gift. Eine Ehegeschichte wurde sie 2010 mit dem Taalunie Toneelschrijfprijs, dem Preis für das beste aufgeführte Stück in den Niederlanden, ausgezeichnet. 

„Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans ist auch als eBook erschienen. Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück in diversen Online-Shops bestellen. 

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  • Regie und Ausstattung

    Regie: Michael Schottenberg
    Bühne: Hans Kudlich
    Kostüme: Erika Navas
    Dramaturgie: Doris Happl 

  • Besetzung
    Sie Andrea Eckert
    Er Günter Franzmeier
  • Pressestimmen

    „Andrea Eckert und Günter Franzmeier als Sie und Er vergießen echte Tränen, es gibt viel Applaus am Schluss. Psychologisch ist „Gift“ stimmig, auch wenn die Symbolik des Titels etwas platt ist: Gift im kontaminierten Friedhofsboden und in den Seelen. Das tragische Thema trägt das Stück, die Figuren sind monolithisch, sie können nicht aus ihrer Haut, obwohl zehn Jahre seit der Katastrophe vergangen sind und sie auf unterschiedliche Weise versucht haben, damit fertig zu werden. Flashback. Der Mann flüchtete, die Frau blieb in ihrer Erstarrung hängen, keine Pillen, kein Psychiater konnten ihr helfen. Sie wütet gegen den Mann, zerquetscht Plastikbecher und schlägt auch manchmal zu. Der Mann, der schon ganz woanders ist, örtlich wie seelisch, wird wieder in die Vergangenheit zurückgerissen – und stellt fest, er kann ihr nicht entrinnen. Möglicherweise waltet etwas Metaphysisches oder Schicksalhaftes in der Liebe, in den Beziehungen, in der Ehe, das unveränderlich bleibt, auch wenn sich äußere Umstände ändern: Paare können sich eben nur scheinbar heute leichter trennen als früher. Die Schauspieler sind engagiert, die Dialoge prägnant.“ (Die Presse)


    „Die Theaterliteratur ist voller gescheiterter Therapiefälle. Und voller Leid, das für schwache Menschenschultern einfach zu viel ist. In Lot Vekemans Stück Gift. Eine Ehegeschichte greift beides ineinander: Ein Kind stirbt; der unendlichen Trauer hält die Ehe der Eltern nicht stand. Er verlässt sie eines Silvesterabends ohne Ankündigung. Zehn Jahre später sehen sie einander erstmals wieder, auf dem Friedhof. Das Grab des Sohnes muss umgebettet werden; ein bürokratischer Akt, der das Paar in einer nüchternen Wartehalle zusammenführt. In Wahrheit aber hat die Frau das Treffen initiiert, weil sie "erlöst" werden möchte aus dem Schmerz. Schottenberg führt das Paar in einem gleißend weißen Container zusammen (Bühne: Hans Kudlich), in dem, so auch die Regieanweisung, ein paar Stühle stehen und ein Trinkautomat. Zu Stings Lied Fields Of Gold heben sich zu Beginn langsam Jalousien und geben den Blick auf das "Beziehungslabor" frei. Ein schönes Anfangsbild.“ (Der Standard)


    „Es gehört zu den grausamsten existentiellen Erfahrungen von Eltern, wenn ihr Kind stirbt. Genau das ist einem namenlosen Paar in Lot Vekemans Drama „Gift“ passiert. Nun inszenierte Michael Schottenberg in seiner letzten Saison am Volkstheater dieses Requiem für ein Kind. Andrea Eckert zeigt überaus glaubwürdig eine Frau, die mit dem Verlust des Kindes vor zehn Jahren und der Flucht ihres Mannes (sehr überzeugend Günter Franzmeier) aus der Ehe vor neun Jahren nicht zurande kommt. Eckert und Franzmeier nutzen alle Möglichkeiten dieses Betroffenheitsstücks, das als glaubhafter psychologischer Realismus funktioniert.“ (Kleine Zeitung)


    „Es sind zwei Namenlose, die einst glücklich waren, ehe der Mann nach dem Tod des Sohnes einfach gegangen ist. Er hat inzwischen ein neues Leben, eine neue Frau, die von ihm ein Kind erwartet. Seine Ex hingegen badet in ihrer Trauer, will weiter leiden. Es kommt zur verbalen Konfrontation, die keinen Sieger, sondern nur Verlierer kennt... Michael Schottenberg hat diesen Plot in Hans Kudlichs kühlem, weißen Einheitsbühnenraum (samt Neon-Beleuchtung) schnörkellos inszeniert, versagt sich aber jeden Kommentar zu den Figuren. Schottenberg vertraut (völlig zurecht) auf das Können seiner zwei Protagonisten, vertraut aber auch dem Drama der niederländischen Autorin Vekemans. Eckert geht wunderbar und mit voller Hingabe in ihrem Leiden auf…“ (Kurier)


    „Hier, im Warteraum der Friedhofsverwaltung, trifft sich ein Paar über zehn Jahre nach dem Unfalltod des gemeinsamen Sohnes wieder. Es wird eine bittere Begegnung zwischen Verlustbewältigung und Abrechnung. So vermeidet nun der scheidende Volkstheater-Intendant Michael Schottenberg in seiner 75-minütigen Inszenierung alles, was von der direkten Konfrontation zweier Verzweifelter ablenkt. Einzig einige, jeweils mehrere Sekunden dauernde schwarze Zwischenblenden strukturieren das Geschehen in der von Hans Kudlich gebauten weißen Wartezimmer-Box. Andrea Eckert macht die Spannung, unter der die Frau steht, in jeder Sekunde deutlich. Die Trauer um den gestorbenen Sohn zerfrisst sie, das unvermittelte Abhauen des Mannes in einer folgenden Silvesternacht hat ihr Leben völlig zerstört. Günter Franzmeier zeigt, dass er dagegen unterwegs in ein neues Leben ist und die traurige Vergangenheit hinter sich lassen möchte. Er möchte seine Ex nicht verletzen, ihr helfen, aber einen rechten Weg, ihr schonend beizubringen, dass er nicht nur wieder verheiratet ist, sondern seine neue Frau auch ein Kind bekommt, findet er nicht. (…) herzlichen, betroffenen Beifall.“ (APA)
     

  • Fotos
    • Gift. Eine Ehegeschichte 01 © Gabriela Brandenstein
    • Gift. Eine Ehegeschichte 02 © Gabriela Brandenstein
    • Gift. Eine Ehegeschichte 03 © Gabriela Brandenstein
    • Gift. Eine Ehegeschichte 04 © Gabriela Brandenstein
    • Gift. Eine Ehegeschichte 05 © Gabriela Brandenstein
    • Gift. Eine Ehegeschichte 06 © Gabriela Brandenstein
    • Gift. Eine Ehegeschichte 07 © Gabriela Brandenstein

  • Video
    Volkstheater Wien - Gift. Eine Ehegeschichte

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