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WIEN.MUSIK

Spielstätte: Rote Bar

präsentiert: DAS TROJANISCHE PFERD – Dekadenz (Album Release Show)
29. Mai 2015, 21:30 Uhr

Spielstätte: Rote Bar

Vorband: DER ELEGANTE REST

presented by The Gap

„Nachdem sich die Aufregung um Bilderbuch und Wanda gerade wieder ein klein wenig gelegt hat“, schreibt der Musikexpress, „meldet sich mit Das Trojanische Pferd bereits das nächste musikalische Schwergewicht aus Wien zu Wort.“ (http://alturl.com/ksd3g) Und hängt gleich die Höchstwertung – fünf Sterne – an die Besprechung dran.

Das Trojanische Pferd (kurzum: DTP) zählt zu den funkelndsten, eigenwilligsten und eigenständigsten Bands im deutschsprachigen Raum. Mit dem dritten Album Dekadenz landet die Truppe rund um Mastermind Hubert Weinheimer ihren bis dato größten Wurf. Und wir treffen diese Urteile vorab. Ohne Scham. Mehr als das: mit trotzigem Stolz.

Denn im Gegensatz zum vorherrschenden Indie-Pop à jour setzt DTP weder auf große Pose noch auf Alternative Mainstream-Kling-Klang-Klischees, sondern auf Lieder (!) mit Ecken und Kanten. Anno dazumal hätte man doch glatt „Authentizität“ dazu gesagt. Dabei hat sich freilich an der Ästhetik der Band über die acht Jahre ihres Bestehens hinweg einiges geändert, aber die Direktheit ist geblieben:

„Mit dem Kopf durch die Wand
 Und das bei vollem Verstand
 Ich hab Menschen verschreckt
Ich war wohl, ja ich war wohl – sehr direkt" („stimmt“)

Das selbstbetitelte Debutalbum erschien 2009 (Single: Wien brennt!). 2012 folgte Wut & Disziplin und weitere drei Jahre später Dekadenz. Während die Band sich bisher im weitesten Sinn um Chanson-Punk verdient gemacht hatte, kann das aktuelle Album auf keine so einfache Formel heruntergebrochen werden: Punkrock, Schlager, Synth-Pop, Gstanzl und Kunstlied feiern gemeinsam ein rauschendes Fest, brechen sich und uns dabei alle Knochen und sammeln sich neu:

Etwas hat sich eingenistet, jemand hat den Wein vergiftet
 und dieser Würgegriff ist gut-bürgerlich [...]
 Ein Lebenslauf ganz ohne Lücken und Zwischenräume überbrücken – alles läuft nach Plan, du kannst dich nicht verfahren"
 („ich du er sie es“)

Das Lied mündet schließlich in ein leicht abgewandeltes Zitat von Warren Buffett: „Only when the tide is out do you discover who's been swimming naked“. DTP scheut sich nicht mit widersprüchlichen Bildern aufzufahren. Es werden die unbeantwortbarsten Fragen gestellt:

„Wer malt den Teufel an die Wand – am Partyschiff nach Bambiland?" („baustellenlärm“) und es wird bei aller Selbstverliebtheit ("Immer alles besser wissen – und damit die Welt vergiften – ich bin der Schutzparton der Selbstverliebten“ – „machenschaften“) auch nicht auf die Selbstironie vergessen: 

„Die Weinheimer-Gstanzl san sche wia a Kranzl aus Dornen am Schädel so schneidig und edel“ („bluadiga hund“)

Im letzten Drittel des Albums wechselt das Idiom für drei Lieder in den Dialekt: „es geht si aus“ ist das mit Sicherheit behutsamste Lied, das die Band je gemacht hat:

„I was, du gehst gern neb'm da Spur, schaust eana beim vorbeifahrn zua – es geht si aus“

Das darauffolgende „staub“ schlägt dann schon wieder ganz andere Saiten an:

„I mogs net, won di Musi spüt – des is ma olles zu bemüht. 
Du mochst des, wei dir is hoit fad – heast hoit di Pappn und sei stad“ („staub“)

Besser kann man den Musikzirkus wohl nicht zusammenfassen. Nicht zufällig hat die Band zum letzten Album T-Shirts mit der Aufschrift „FUCK YOUR BAND“ produzieren lassen. DTP hat sich immer schon überdeutlich abgegrenzt. Plakative Lässigkeit – ein Widerspruch in sich – war nie das Ziel:

„Und solang ich nicht weiß, was die Planken zerbricht, bin ich und bleib ich ein schwankendes Schiff: 
Ich grüße und bitte, bedanke mich nicht, 
good night folks & good luck“ („kronprinz“)

Das gesamte Album balanciert geschickt zwischen Substanz und Ironie: „Es ist auch nicht immer so schön, ganz über den Dingen zu stehen.“ Kaum jemand kann so gut mit textlichen Kontrasten arbeiten wie Hubert Weinheimer. Freilich: Easy Listening ist das nicht. DTP lebt von der Behauptung sehr viel mehr zu sein, als eine „Band“ und wer sich die Zeit nimmt, genau hinzuhören, wird ihnen recht geben müssen.

Eine besondere Rolle kommt auf Dekadenz dem „Subchor“ zu, dem Chor, der aus dem mittlerweile leider geschlossenen „Subterrarium“ hervorgegangen ist. Viermal kommt dieser auf dem Album zum Einsatz und verleiht der bedeutungsschwangeren Platte eine Prise Lagerfeuerstimmung – These, Antithese, Synthese, Bolognese.

Für den Berliner Hans Wagner (Bass & Cello) ist es das vorläufig letzte Album mit der Band. Kurz nach den letzten Sessions gab er seinen Ausstieg bekannt. Die Tour (Mai und September) wird ohne ihn stattfinden. Hubert Weinheimer, Rene Mühlberger und David Schweighart bleiben in der Band. Über die teilweise schwierigen Umstände unter denen dieses Album entstanden ist und beinahe nicht entstanden wäre, ranken sich die wildesten Gerüchte. Letztendlich aber haben sich die vier Egomanen zusammengerauft und herausgekommen ist dabei erstaunlicherweise nicht nur ein gutes, sondern auch ein teilweise ungewohnt friedliches Album.

Im abschließenden „idiotenlied“ wird die zuvor aufgedröselte Welt nicht so ernst genommen und allein damit schon ein Stück weit zusammengeflickt – begleitet von befreundeten Musikern wie DER NINO AUS WIEN, ERNST MOLDEN (Gitarrensolo) und den STROTTERN. Quasi ein Happy End.

 

***Veranstalter: monkey.music Gröbchen & Partner OG*** 

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